Zu kleine Brüste? Reboot! – Das Vermächtnis von Batman & Robin

Batman & Robin ist nicht nur ein schlechter Film, sondern ein phänomenal schlechter! Ein Film, der wirkt, als wäre er ein dummer Streich, gespielt auf Kosten des Publikums – komplett mit billigen Wortspielen, Bat-Nippeln und Bat-Kreditkarte. Wie schlecht genau war Batman & Robin? So schlecht, dass er die Hollywood-Filmindustrie revolutionierte.

Es gab eine Zeit – und zwar eine verdammt lange Zeit – in der haben sich die Hollywood-Studios zehnmal überlegt, was sie mit ihren hochprofiligen intelectual properties machen. Denn ein falscher Start, ein unüberlegter Schachzug, könnte das potentiell goldene Kalb mit einem Mal schlachten und die Filmreihe bis in alle Ewigkeit zugrunde richten. Man brauchte eine Lösung. Etwas dass den Studios alle Freiheiten lässt ohne die Fans zu verprellen. Natürlich, es gab schon „Remakes“, „Prequels“ und „Spin Offs“ und manchmal komplette Filmreihen (Hallo, Mr. Bond!) die ihre Darsteller ständig wechselten und sich nicht wirklich um Kontinuität scherten, aber dann kam plötzlich der „Reboot“ daher und machte alles anders.

Das Wunder, dass so etwas möglich machte heißt: Batman & Robin! Ein Film, der von Fans, Kritikern und sogar Mitwirkenden so sehr verabscheut wurde, dass sich George Clooney bis heute dafür rechtfertigen muss  – und es auch tut. Die Franchise um Batman war verbrannt. Aber anderes als die Superman-Reihe, die einfach leise in die Mittelmäßigkeit rutschte, krachte Batman mit Pauken und Trompeten in den Shitstorm aus Fledermauskacke.

Keiner traute sich die Reihe fortzuführen, weil man Angst hatte, die verprellten Fans würden sich eine Fortsetzung dieses Desasters nicht angucken. Aber es gab nur zwei Möglichkeiten: entweder fortsetzen oder nicht fortsetzen, denn wir reden hier ja von der Batman-Reihe und die Batman-Reihe ist die Batman-Reihe, ist die Batman-Reihe und man ist an sie gebunden. Acht Jahre dauerte es, aber dann trat Christopher Nolan auf den Plan und tat das, was sich niemand traute: er erfand Batman neu. Der erste relevante Reboot der Hollywood-Geschichte. Und was für einer es war! Fans liebten Batman Begins, Kritiker lobten ihn über den grünen Klee, vergessen waren die alten Filme und die Welt war dankbar dafür, dass jemand den Mut hatte etwas altes zu ignorieren und etwas neues zu schaffen.

Hier könnte die Geschichte eigentlich aufhören; ein grauenhafter Film macht den Weg frei für einen großartigen Film, und alle lebten glücklich und zufrieden bis in alle Ewigkeit… doch wie so oft war es kein Ende, sondern nur ein Anfang. Batman Begins war ein solcher Erfolg, dass es jeden kommenden Reboot rechtfertigte. Superman kommt beim Publikum nicht an? Reboot! Hulk war zu metaphorisch? Reboot! Zu kleine Brüste? Zu viel Story? Zu wenig Story? Reboot! Reboot! Reboot!

Die Nuance, dass Reboots etwas gutes sind, etwas, dass ein mittelmäßiges Produkt verbessert, setzte sich in den Köpfen der Produzenten und des Publikums fest und es war eine Beweisführung, der sich keiner widersetzen konnte. „Ein Reboot? Warum?“  – Antwort: „WEIL Batman & Robin!“ – „Ach ja. Weitermachen.“

Hier liegt auch das Problem am Reboot-Wahnsinn: die Studios haben den Respekt vor ihren eigenen Götzen verloren. Neue Filme mit prominenten Figuren sind keine Make-or-break Entscheidung mehr über die man sich den Kopf zerbrechen muss, es sind einfach Testballons, die losgelassen werden und wenn der eine nicht hoch genug steigt, kannst du jederzeit einen neuen schnüren. Und trotzdem kann man das Konzept nicht verdammen, denn die Resultate sind oft genug wirklich erstklassig – heiligt der Zweck die Mittel oder hält er uns von einem viel besseren Zweck ab?

Vielleicht war das die Idee von Joel Schumacher, als er Batman & Robin machte; uns zu zeigen, dass man sich nicht an nostalgische Werte klammern muss, sondern dass man tote Pferde ab und zu begraben kann um etwas besseres zu schaffen, vielleicht war Batman & Robin kein dummer Scherz, sondern ein Postulat für eine Zukunft in der jede erdenkliche Inkarnation einer Figur eine Daseinsberechtigung auf der Leinwand hat. Oder es war alles einfach nur ein riesiger Haufen [Reboot].